03.September.2010

Leicht, leichter, Carbon

In der Bikerszene gibt es schon seit langem den Spruch „Carbon statt Kondition“. Ein paar Kilo oder selbst ein paar Gramm, können auf längeren Strecken schon deutliche Kraftersparnisse mit sich bringen. Nun ist das Material Carbon nicht neu beim Inlineskaten. Fast jeder Speedskate besteht aus dem leichten Material. Aber bisher bezog sich das nur auf den Schuh. Die Schienen waren immer noch aus dem guten alten Aluminium. Bisher!

Aus Frankreich kommt vom Hersteller EO Skates die (mir bisher bekannte) erste Schiene aus Carbon.

Carbon Schiene von EO Skates

Carbon Schiene von EO Skates

Die technischen Details

135 Gramm  für das 4x110mm / 13,2″ Modell ist eine Ansage. Mit den Achsen kommen nochmal knapp 14 Gramm hinzu. Die Jungs von EO Skates haben mir aber schon verraten, dass es bald neue Achsen, ebenfalls aus Carbon, geben wird, mit einem Gewicht von weniger als 2g pro Stück! Zum Vergleich: Eine Cado Modus Schiene bringt 234 Gramm inkl. Achsen auf die Waage.
Wer es noch weiter treiben will, der kann mit Microlagern nochmal bis zu 40 Gramm an jedem Fuss sparen. Genau das Richtige also für Materialfetischisten.

Zu Schiene gibt es einen Drehmomentschlüssel standardmäßig dazu. Keine schlechte Idee denn Carbon, so leicht und steif es auch sein mag, ist etwas bruchanfällig, wird es stark anders belastet als vorgesehen.

Und wie fährt sich die Schiene?

Die Jungs und Mädels vom Speedteam Freiburg haben auf ihrer 1000 Kilometer langen Skate Raid Ultra Tour ausreichend Zeit gehabt die neue Schiene zu testen, weswegen ich einfach aus den mir vorliegenden Erfahrungen Auszugweise zitiere.

[…] Sie ist definitiv langstreckengeeignet. Unter anderem auch deshalb, weil rauher Belag,der z. B. mit der relativ harten Vergleichsschiene (Lugino Pilot Fighter) erhebliche Schmerzen in den Füßen verusachte, von der EO-Schiene anstandslos geschluckt wurde. Der relativ hohe Flex der Carbon-Schiene spielt Skatern mit guter Technik und Rhythmusgefühl in die Hände (bzw. Füße), denn die in der Anfangsphase des Pushs sich aufbauende Federspannung fließt beim finalen Abdruck wieder in die Kraftkomponenten zurück, so dass sich ein interessantes Fahrverhalten ergibt. […]

Das klingt in der Tat sehr interessant, auch wenn ich nicht genau sagen kann, ob dieses „nachfedern“ jedermanns Sache ist und einen wirklichenVorteil bringt. Fraglich auch wie sich die Schiene mit dieser Eigenschaft auf einer kurvigen Strecken verhält. Das sie gut rauhe Beläge wecksteckt, habe ich auch an anderer Stelle lesen können.
Auf der Webseite vom Skate Raid Team ist ausserdem zu lesen:

Sehr leicht, sehr steif, sehr gute Dämpfung aber bruchanfällig bei Schlägen von der Seite.

Weiter oben habe ich schon etwas zu der Bruchanfälligkeit von Carbon geschrieben.  Da sollte man überlegen, wie sahen denn die eigenen oder gesehene Stürze aus? Wie groß ist Chance, das die Schiene solche Schläge aushalten muss?

Persönliches Fazit:

Meine persönliche Meinung, ohne die selbst gefahren zu haben, ist etwas geteilt. Auf der einen Seite ist natürlich das Gewichtsersparniss zu nennen. Auch wenn es nur ein paar Gramm sind, so summiert sich das während eines Marathons doch auf ein paar Kilo hoch. Auch die anscheinend gute Dämpfung ist auf langen Strecken ein Pluspunkt.
Mit der Flexibilität der Schiene kann ich im Moment nichts anfangen. Ich kann mir die beschriebene Fahreigenschaft grob vorstellen, aber kann das bei gleichbleibender Fahrtechnik in Geschwindigkeit umgesetzt werden? Und was ist mit schnellen, scharfen Kurven? Ein paar offene Fragen bleiben also, die man wahrscheinlich nur mit einem persönlichen Test beantworten kann.

Begrüßen tue ich diese Entwicklung aber ausserordentlich, da es in diesem Jahr bisher sonst keine wirklichen Neuerungen im Skatesport gegeben hat.

Wer der französischen Sprache mächtig ist, für den habe ich hier noch ein TV-Bericht, sieht schwer nach Frühstücksfernsehn aus, indem EO Skates und eben besagte Schiene vorgestellt wird:

4 Comments

  • Rolf
    6. September 2010 um 14:37

    Carbonschienen sind ein „alter Hut“ seit mehr als 10 Jahren wird damit „gebastelt“ – Firmen wie z.B. TNT Korea oder auch Maple ( Carbonbeschichtete Aluschiene ) haben damit rumgespielt – aber es gibt neben den trivialen Problemen wie Gewindeaufnahme der Achsen bis hin zur Bruchgefahr – vor allem wenn die Schiene älter wird ( Rissbildung ).. EO ist ja schon lange dabei.
    Durchgesetzt hat sich da aus den Gründen bis heute nichts.
    Zur Gewichtsersparnis: eine Tru-Rev wiegt auch nur 167 Gramm.

  • Thomas
    7. September 2010 um 15:03

    Ich glaube, eoskates hat da recht viel fortschritte gemacht. Ich fahre die marathon 4×110 schiene schon seit zwei jahren und habe bisher nur positive erfahrungen gemacht. Ich hatte die schienen bei einem FIC Rennen in Frankreich gekauft und würde sie auf keinen Fall wieder hergeben!
    Thomas S., Winterthur

  • Fränky
    8. September 2010 um 09:54

    Neu ist das nicht wirklich, Sebastian Baumgartner fuhr auch lange eine (glaube ich zumindest) Schiene koreanischer Herkunft. Probefahren würde ich so eine Schiene auch mal, ob man die Bruchanfälligkeit hinbekommt wird wohl die große Frage sein. Jedes Rennen bekommt man Schläge von der Seite vor die Schiene, das dürfte am problematischsten sein. Andere Effekte wie „Nachfedern“ halte ich eher für Marketinggedönse und sehr steif aber gute Dämpfung ebenfalls.

  • Christian
    8. September 2010 um 11:09

    Das es Carbonschienen schon länger gibt, war mir in der Tat nicht bekannt. Für mich war das Thema relativ neu. EO-Skates möchte hier aber auch ein paar Vorurteile ausräumen und lässt mir deshalb ein paar Testschienen zukommen. Ich werde dann sicher nochmal berichten. ;-)

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