15.November.2010

Immer die anderen – Ausreden für das nächste Rennen

Hat es mal wieder nicht geklappt mit der Bestzeit? Das ganze Rennen entsprach  nicht den eigenen Vorstellungen? Woran lag’s?  Nicht in Form? Übergewicht? Zu wenig trainiert??? Quatsch!
Es sind natürlich die äußeren Umstände schuld. Das Material und, ach, die vielen anderen untrainierten Möchtegernspeedskater, die man immer vor den eigenen Rollen hat.

Hier eine Sammlung an idealen Ausreden Erklärungen für Familie und Freunde:

„Der Typ vor mir ist beim Start nicht weg und ich nicht vorbeigekommen!

Tja, meine ganz persönliche Leidensgeschichte. Immer, aber auch immer stehe ich im Startblock hinter jemanden, der besser hinter mir stehen sollte.  Und dann ist der Zug im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren.

„Die falschen Rollen.“

Klassiker! Bestens geeignet gegenüber Neulingen und unsportlichen Familienmitgliedern. Gerne sind hier Analogien zur Formel 1 zu ziehen, da man so besser den Einfluss der richtigen Reifen- ,  in unserem Fall Rollenwahl, darlegen kann.

Das falsches Material kann einem das ganze Rennen verderben / fabsn @ photocase.com

Die falschen Rollen und das ganze Rennen ist versaut / fabsn @ photocase.com

„Toller Anblick von hinten. Da bin ich doch gerne hinterher gefahren.“

Speedskaten ist Porno auf Rollen. Hautenge Rennanzüge, gefahren wird dicht an dicht und Körperkontakt ist erlaubt. Hinter einer sportlichen jungen Dame lassen sich so gut 42 Kilometer aushalten. Natürlich nur glaubwürdig, wenn man aus einem gemischten Block gestartet ist.  Vorsicht, der Spruch ist nur stammtischtauglich.

„Sturz. Mir hat einer die Füße weggetreten!“

Ab sofort ist man Entdecker! Man hat das einzige Schlagloch auf der ganzen Strecke entdeckt und hat auch prompt eine Fallstudie gemacht. Aber vorher, da hat man doch so einen Schlag am rechten Skate gespürt. Leistungssport ist nun mal kein Kindergeburtstag. Das es anders war, kann einem später sowieso keiner beweisen.

Sturz, aber die anderen sind Schuld!

Sturz, aber die anderen sind Schuld! / Bild: http://www.skate-log.de

„Ich wollte ein Rennen auch mal genießen!“

Das Rennen läuft erst 30 Minuten, man ist aber bereits seit 35 im roten Bereich und plötzlich kommt man auf die Idee, eine Sightseeing Tour zu machen. Is klar.

„Das Rennen war zu kurz.“

Ich bin wie ein Dieselauto: Nicht der spritzigste aber unheimlich ausdauernd. Bis ich richtig warm bin, ist es meistens schon vorbei – und den One-Eleven gibt es ja leider nicht mehr.

„Dieses Jahr beobachte ich nur die Konkurrenz. Nächstes Jahr greife ich dann an!“

Vorbereitung ist alles. Auch unser Bundesjogi analysiert den Gegner vorher stundenlange und arbeitet Strategien aus. Was für den Profifußball gut ist, kann dem Speedskater nur recht sein.

Man muss den Gegner kennen / K.L. / photocase.com

Man muss den Gegner kennen / K.L. @ photocase.com

„Ich habe keinen Kamin auf dem ich den Pokal abstellen kann.“

Und eine Allergie gegen Blumensträuße und mit soviel Ruhm kann ich schon gar nicht umgehen.

„Ich stamme aus einem geburtenstarken Jahrgang. In meiner Altersklasse ist die Leistungsdichte deswegen verdammt hoch!“

Da gibt es schon die  Unterteilung in Mann, Frau, Lizenz,  Hobbyskater und sogar jede Altersklasse wird extra gewertet, und dann, ach, ist die Platzierung immer noch nicht vorzeigbar. In der nächsten AK wird es dann aber einfacher.

Habt ihr auch schon mal gegenüber Freunden und Familie eure Leistung so oder so ähnlich erklärt?
Was sind eure besten Ausreden?

3 Comments

  • consta
    16. November 2010 um 14:37

    Das mit dem Wetter kappt bei mir immer problemlos. Man braucht meistens keine Beweise, die Freunde und Angehörige zeigen gern ihr Mitgefühl, und man wird schnell zu einem Superheld, ganz unabhängig von den Zeiten und Platzierungen. So unter dem Motto „Mann! Voll Respekt, dass du überhaupt an Start ging und bist dann noch in einem Stück zurückgekehrt!“ Leider geht es nur in dem Fall, wenn das Wetter mitspielt.

  • Sven
    23. November 2010 um 07:37

    Hab z.B. für Berlin etliche Ausreden: Ohne Regen wäre ich schneller gewesen. Dazu kam, daß ich wegen Materialproblemen auf meinen Fitnesskates starten musste. Und der Zug wo ich dranhing war auch zu langsam. Und in meiner AK starten auch viele und bei der Zielzeit ist so eine Leistungsdicht, dass 10s schon min. 50 Plätze sind.
    Eigentlich sollte ich nur meine Technik verbessern :). Das klingt aber Sch…. vor den Nichtsportlern im Bekanntenkreis, die ehrfurchtsvoll sagen:“Was? Den Berlin Marathon bist du mitgelaufen!? Wie lang ist den der?“

  • Christian
    25. November 2010 um 10:38

    Das, wenn man jemanden sagt wie lang so ein Marathon ist, der gegenüber große Augen bekommt, kenne ich auch gut. Bei einigen meiner Kollegen beginnt die unüberwindbare Grenze bereits bei Kilometer 10.

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